Neuigkeiten rund um Danyal Bayaz

Zur schrecklichen Tat von Halle

Einige Worte, wofür es keine Worte gibt

 | Berlin

Es hat ein paar Tage bei mir gedauert, um Worte dafür zu finden, wofür es keine Worte gibt. Die schreckliche Tat von Halle bestürzt mich. Noch mehr: Sie ruft in mir tiefe Scham hervor. Das merke ich auch daran, dass ich als Deutscher, der sich gerade in den USA - einem Land mit einer großen jüdischen Community - befindet, mich für die schreckliche Tat entschuldigen möchte.

Ziel des Täters war offensichtlich nicht weniger als ein Massenmord an der jüdischen Gemeinde in Halle. Das ist nur um Haaresbreite gescheitert. Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, was wäre, wenn...

Meine Gedanken sind zu allererst bei den Hinterbliebenen. Ihnen gelten mein tiefstes Mitgefühl und meine aufrichtige Anteilnahme. Im zweiten Moment empfinde ich auch Wut. Wut darüber, dass man wieder vom „Einzeltäter“ liest. Das war kein Einzeltäter. Hinter einer solchen grauenvollen Tat stecken Strukturen, Mechanismen und Denkmuster. Dies hätte überall in Deutschland passieren können - auch vor meiner eigenen Haustür. Es ist unerträglich, dass Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland angegriffen werden. Wir können nicht bei Solidaritätsbekundungen stehen bleiben. Ich bin kein Innenpolitiker, ich mische mich eher selten in Felder ein, in denen ich selbst kein Experte bin. Man muss auch kein Experte sein, um zu erkennen, dass wir mehr machen müssen, um jüdisches Leben in Deutschland zu schützen. Es kann nicht sein, dass an der Sicherheit jüdischer Einrichtungen gespart wird. Schlimm genug, dass diese überhaupt ständiger Bewachung bedürfen. Kein Millimeter Toleranz gegenüber Antisemitismus!

Und eine große Bitte: Lasst uns nicht vergessen, dass der Täter nicht nur gezielt auf eine Synagoge, sondern ebenso gezielt auf einen Döner-Imbiss losgezogen ist. Das eine ist nicht schlimmer als das andere. Hass und Gewalt gegen Juden, Hass und Gewalt gegen Muslime richtet sich immer gegen uns alle, gegen die gesamte Gesellschaft. Jede und jeder von uns hätte die Passantin sein können, die zufällig vorbei kam. Es kann uns alle treffen. Das dürfen wir nicht verkennen. Mit Blick auf die Tat in Halle - auch aus unserer Erfahrung aus der NSU-Mordserie und den Mord an Walter Lübcke - müssen nun bei der weiteren Aufklärung des Angriffs mögliche Netzwerke und unterstützende Strukturen scharf in den Blick genommen werden. Es muss geklärt werden, warum an der Synagoge in Halle zu Jom Kippur keine Bewachung durch die Polizei stattgefunden hat. Die Regierung, die Sicherheitsbehörden, und ja, auch wir als Gesellschaft haben über Jahre die Gefahr von Rechtsterrorismus nicht angemessen erkannt. Bis heute fehlt selbst zu vielen früheren Taten die versprochene rückhaltlose Aufklärung. Der rechtsterroristischen Gefahr und den sie befeuernden extremen Ideologien muss konsequent mit rechtsstaatlichen Mitteln begegnet werden. Das gilt für die Ausrichtung der Sicherheitsbehörden genauso wie für die Prävention, die Demokratieförderung oder unsere Erinnerungskultur.

Es liegt an uns als Gesellschaft jeden Tag aufs Neue dieser Enthemmung in Sprache und Taten etwas entgegen zu setzen – nicht erst nach einer so schrecklichen und beschämenden Tat. Das bedeutet entschiedene Aufklärung gegen Antisemitismus, Rassismus und alle anderen Ideologien leisten, die unser Aller friedliches Zusammenleben gefährden. Die Zunahme antisemitischer, fremdenfeindlicher, frauenverachtender Vorfälle spricht dazu eine klare Sprache. Dazu gehört auch, die Brandstifter, die in unseren Parlamenten sitzen, beim Namen zu nennen. Der Hass und die Hetze, die die AfD seit Jahren in dieses Land träufelt, fließen wie ein böses Gift durch unsere gesellschaftlichen Blutgefäße und schaffen ein Klima, in dem aus Worten Taten werden. Davor kann niemand mehr die Augen verschließen.



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